33 Revolutionen pro Minute
Vinyl lebt: Erstmals gaben Britinnen und Briten mehr Geld für Schallplatten aus als für digitale Musik. Wie ist dieser Trend zu erklären?
Von Simon Knopf
Die Schallplatte starb offiziell Anfang der 90er. 1982 war dieser neue silberne Tonträger aufgetaucht, die Compact Disc. Das digitale Medium versprach eine bessere Tonqualität und erst noch viel mehr Platz. Schon nach wenigen Jahren übertrafen die Verkaufszahlen der CD jene der Platten, 1990 kauften die Menschen bereits doppelt so viele CDs wie Platten. Spätestens da war für die wichtigsten Firmen der Phonoindustrie klar: Vinyl ist tot.
Oder vielleicht doch nicht? Zwar verlor die Schallplatte den Status des Leitmediums, sie verschwand aber trotzdem nicht; nie ganz. Während mehr als eines Jahrzehnts hielt sich Vinyl als Tonträger für Liebhaber und DJs. In diesen Kreisen betrachtete man die Compact Disc eher mit Argwohn, Vinyl sprach man einen volleren Sound zu, ein runderes Hörerlebnis. Derweil entwickelte sich die Technologie immer schneller weiter: Bald schon löste die Digitalisierung die CD ab, popularisiert durch die Komprimierung und das Abspielen auf MP3-Geräten. Die Musik von heute klingt über Nullen und Einsen…
© Der Tagesanzeiger, 7.12.2017