Release Tipp: Stilluppsteypa – Schokolino Choco Loco / Futura Resistenza
Die Musik von Stilluppsteypa ist der Hammer! Sie transportiert einen in ein buntes und schillerndes Paralleluniversum. Ihre Klangwelt erinnert mich an Conrad Schnitzler (hört mal genau hin!) und an eine Zeit, da hörte ich noch andere elektronische Musik. Der Text, den Juho Toivonen zu diesem Release verfasst hat, ist exzellent. Ich weiß, dass dort von „nächtlichen Übertragungen“ oder „Radiohalluzinationen“ die Rede ist. Toller Text! Ich lehne mich zurück und genieße ihre Klangwelten – herrlich!

Mit „Schokolino Choco Loco“ liefert das isländische Duo Stilluppsteypa eine verzerrte Botschaft aus den Randbereichen experimenteller Klänge – teils valiumgetränkte Traumlandschaft, teils dadaistische Radiohalluzination. Wie eine nächtliche Übertragung aus einem Paralleluniversum driftet und mutiert das Album durch Schichten fröhlicher Abstraktion, durchzogen von einem trockenen Sinn für Humor, während es gleichzeitig seltsam sensibel ist. Diese LP ist weniger eine Sammlung von Tracks als eine Zeitlupen-Joyride durch Stilluppsteypas einzigartiges Klanguniversum – so hypnotisch und absurd, dass es am Ende auf unerwartete Weise das Herz erwärmt.
Während ich mich hinsetze, um diese Worte für Stilluppsteypas neueste Vinylveröffentlichung auf dem rätselhaften Label Futura Resistenza zu schreiben, versetze ich mich ein oder zwei Jahre zurück und erinnere mich an den tiefgreifenden Einfluss, den dieses isländische Ensemble seit vier Jahrzehnten auf die experimentelle Kunstszene des Nordens hat. Stilluppsteypa entstand Anfang der 1990er Jahre als punkorientierte Band mit mehreren Mitgliedern. Ihre unstillbare Neugierde für das Unkonventionelle führte sie jedoch bald dazu, als Trio bestehend aus Heimir Björgúlfsson, Sigtryggur Berg Sigmarsson und Helgi Thorsson abstraktere und elektronische Gefilde zu erkunden. Diese Isländer schufen einzigartige Klangexperimente, die sich jeder einfachen Kategorisierung entzogen und von den besonderen Längen- und Breitengraden geprägt waren, die sie gemeinsam als ihre Heimat bezeichneten.
Die frühen Werke von Stilluppsteypa, wie Reduce by Reducing (1998), zeigten einen dadaistischen und vielschichtigen Ansatz der Klangskulptur, der sich stolz von den damaligen Trends wie Mille Plateaux und seinen Zeitgenossen abhob. Mit Alben wie Not a Laughing Matter But Rather a Matter of Laughs (2000) und Stories Part Five (2001) festigte die Gruppe ihren Ruf als Schöpfer komplexer Klangteppiche, die auch heute noch Zuhörer mit einer Vorliebe für das Abstrakte herausfordern und faszinieren.
Nach Heimirs Weggang um 2002 beschlossen Sigtryggur und Helgi, als Duo weiterzumachen und sich noch tiefer in den Kern der abstrakten und fröhlichen elektronischen Musik zu begeben. Ihre Zusammenarbeit mit Künstlern wie Benny Nilsen, Melt-Banana und anderen führte zu von der Kritik gefeierten Werken wie Vikinga Brennivin (2005) und Drykkjuvísur Óhljóðanna (2006), die für ihre innovativen Ansätze in Sachen Klang und präzise Komposition gelobt wurden.
Mit diesem neuen Werk auf Futura Resistenza – einem Label aus Brüssel und Rotterdam, das für seinen eklektischen, unvorhersehbaren und zukunftsweisenden Katalog bekannt ist – setzt Stilluppsteypa seine bewundernswerte Mission als zuverlässiges Arbeitstier des europäischen Experimentalismus fort und erweitert die Grenzen des Klangs bis ins Unendliche.
Ohne zu zögern, kann ich sagen, dass die skurrile Wertschätzung der Gruppe für das Chaos – den natürlichen Zustand des Universums – ihre Musik zu einem wahren Leuchtfeuer für eine freundlichere Zukunft macht. Schokolino Choco Loco ist ein Beweis für ihr Bekenntnis zur Unvorhersehbarkeit und feiert die chaotische Schönheit und den Humor, die im Chaos selbst liegen.
Wenn Sie die Nadel auf die Platte legen, machen Sie sich bereit für eine nebulöse Reise durch die Klangwelt. Diese Isländer laden dich ein, das Unerwartete anzunehmen – und wie nette Menschen, die sie sind, geben sie dir dabei sanft einen Willkommenskuss auf die Stirn. Die Musik von Stilluppsteypa ist nicht nur zum Hören da, sondern zum Erleben, zum Schmecken, zum Anfassen.
Willkommen zu der grenzenlosen Freude, die entsteht, wenn Künstler sich in Unbekanntes wagen. © Text: Juho Toivonen